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Was! Für eine Friedhofführung Geld verlangen?

Prominente Verstorbene im Friedhof Sihlfeld und Besuch des alten Krematoriums
"Ich finde es nicht in Ordnung, dass für einen Ausflug in den Friedhof Sihlfeld Beiträge erhoben werden," schreibt Alfons Z. (Name geändert), bis vor kurzem Mitglied des Quartiervereins. Und weiter: "Ich finde es auch nicht in Ordnung, dass der Quartierverein von der Stadt jährlich Beiträge vereinnahmt." Aus diesem Grund möchte er aus dem Quartierverein austreten. Hoppla, eine solche Zuschrift erfreut den Vorstand nicht. Natürlich akzeptieren wir den Entscheid und entlassen Alfons Z. auf Ende Jahr aus seiner Mitgliedschaft. Auch wenn ein solcher Fall selten vorkommt, werden wir gelegentlich gefragt, weshalb eine Quartierführung Geld koste und wofür genau. Am Beispiel der Friedhofsführung vom letzten Samstag, 24. August, die mit über 50 Personen ausgebucht war, kann die Frage konkret und detailliert beantwortet werden.

Wichtig ist fürs Erste, dass alle sechs Quartiervereinsmitglieder (4 vom Vorstand, 2 von ausserhalb), die bei Vorbereitung und Durchführung mitgeholfen haben, ihren Einsatz wie immer ehrenamtlich leisten. Niemand erhält ein Honorar, nur belegte Spesen werden ausbezahlt. Im weiteren haben auch die beiden städtischen Referenten Rolf Steinmann (Chef städtisches Friedhofsamt) und Meret Tobler (Leiterin Grabmalkultur) grosszügig auf ihr Honorar verzichtet. Sie leisteten ihren Einsatz am Samstag gratis – als sympathische Geste an den Quartierverein. Wir möchten an dieser Stelle ihnen und den vielen städtischen Angestellten sowie ihren Chefinnen und Chefs danken für die grosse Unterstützung, die die Quartiervereine durch das Jahr hindurch immer wieder rasch, unkompliziert und uneigennützig erfahren.
Prominente Verstorbene im Friedhof Sihlfeld und Besuch des alten Krematoriums
Trotzdem entstehen bei einem solchen Anlass Kosten. Am Samstag waren das rund CHF 750 für Apéro mit Snacks und Getränke (für 50 Personen), produziert und angeliefert durch ein Sozialintegrationsprojekt der AOZ Gastrobetriebe. Sodann CHF 400 für die Flyer-Gestaltung durch einen Grafiker, CHF 350 für Druckkosten, CHF 200 Versandanteil, CHF 80 für Geschenke an die Referenten. Von diesem Total von rund CHF 1800 bezahlten die Besucher der Friedhofsführung CHF 550 (40 QV-Mitglieder à CHF 10, 10 Nichtmitglieder à CHF 15), also knapp einen Drittel der Kosten. Die restlichen Auslagen werden getragen durch den städtischen Beitrag von CHF 600 pro öffentliche Veranstaltung sowie CHF 630 vom Quartierverein selbst.

Mit anderen Worten: Jede Quartierführung, jeder Ausflug und jede Ausstellung kosten den Quartierverein eine vier- oder fünfstellige Summe als Defizitbetrag. Auch dann, wenn die Teilnehmenden einen bescheidenen Kostenanteil selbst übernehmen. Der Quartierverein erhält den grössten Teil seiner Einnahmen aus den Jahresbeiträgen der Einzelmitglieder, Vereine und Firmen; im Jahr 2018 waren das rund CHF 22'500. Zudem erhält der QV wie alle 25 städtischen Quartiervereine einen namhaften Zustupf von der Stadt, im letzten Jahr total CHF 16'900. Das Gesamtbudget des Quartiervereins inkl. Vereine belief sich auf CHF 39'400 (2018).

Zurück zum Anliegen von Alfons Z. Natürlich steht der Friedhof Sihlfeld den Anwohnerinnen und Anwohnern täglich kostenlos zum Besuch offen. Genau wie alle Häuser, Denkmäler, Brunnen und Plätze im Quartier von aussen zu besichtigen sind. Doch dass die Organisation einer von fachkundigen Experten geführten Tour, ihre Publikation, das Zeigen versteckter Schätze, der Einblick in verschlossene Gebäudeteile und der dazugehörende "obligatorische" Apéro Geld kosten, sollte eigentlich einleuchten. Das tut es auch – bei all jenen, die mit grosser Begeisterung der Führung durch den Friedhof Sihlfeld gefolgt sind. Sehen Sie hier die Bilder.
dummyDie ersten Mitglieder des Quartiervereins besammeln sich auf dem FriedhofBegrüssung durch den QV-Präsidenten Urs RauberMeret Tobler (ganz rechts) führt eine Gruppe zu den ProminentengräbernGrabstein des Architekten Gustav Gull, Zürcher StadtbaumeisterGrabstätte der Familie Steinfels, legendäre SeifenfabrikantenDas imposante alte Krematorium (bis 1992 in Betrieb)Fische beleben den Teich vor dem KrematoriumOrgel im Krematorium, das heute nur noch als Abdankungshalle benutzt wirdRolf Steinmann (ganz links) zeigt einen alten Sargwagen und eine SargkutscheKeine Leichen, aber alte Grabsteine im Krematoriumskeller – hier des einzigen kommunistischen Stadtrats von Zürich (Edgar Woog)Am Schluss erwartet die Teilnehmer ein wohlverdienter Apéro ...... mit Häppchen und GetränkenDie beiden kundigen Friedhofsführer Meret Tobler und Walter Steinmann erhalten ein kleines Geschenk des QuartiervereinsWinken für den Fotografen bei bereits gelichteten Reihen

Fotos: Flurin Capaul und Urs Rauber